Sie haben das Recht zu schweigen!

Freiheit – ein kostbares Gut. Es ermöglicht uns, unsere Meinung überall und jedem gegenüber kundzutun, wann es uns beliebt, zu denken, zu schimpfen, zu urteilen – zu leben. Das ist nicht überall selbstverständlich.

Und versteht mich nicht falsch – ich schätze diesen demokratischen Gedanken. Aber als großer Krimi-Fan weiß ich, dass – wie es die Filmdramaturgie erfordert – am Ende immer das Gute siegt, der böse Ganove gefasst und immer mit den Worten: „Sie haben das Recht zu schweigen….“ aus dem Bild geführt wird.

Ich habe also das Recht zu schweigen, damit ich mich durch etwaige unkoordinierten Aussagen nicht selbst belaste. Das ist doch mal ein Ansatz, den sich so manch einer zu Herzen nehmen könnte. Denn wie heißt es sprichwörtlich so schön: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Und streben wir nicht alle nach dem Goldtopf am Ende des Regenbogens, auch wenn es natürlich keiner wirklich zugeben möchte.

Ein Beispiel: Der Bodensee ist berühmt für fantastische Sonnenuntergänge, denen ich mit Haut und Haaren verfallen bin. So stehe ich, wann immer es mir möglich ist, auf einem Steg und bewundere das farbintensive Schauspiel. Eines Abends, als die knallrote Sonne just hinter dem Hügel verschwunden ist, erscheinen neben mir zwei junge Frauen, mit gezücktem Handy,  können aber ihre Enttäuschung nicht verbergen, weil sie offensichtlich den Hauptteil wohl gerade verpasst haben. Als Profi weiß ich natürlich, dass der Himmel sich erst zu diesem Zeitpunkt anfängt, in den herrlichsten Rottönen zu präsentieren und sage daher zu den Damen: „Keine Sorge, das wird jetzt erst noch richtig schön!“ Ein Strahlen huscht über ihre Gesichter und eines der Mädels fragt mich voller Zuversicht: „Wieso, kommt die Sonne nochmals hoch?“

Oder, als ich noch Schülerin war, kam ein Lehrer auf mich zu, um mich aufgrund meines außergewöhnlichen Vornamen zu fragen, wo ich denn eigentlich herkomme. Als ich ihm von meinem Heimatort fernab der deutschen Grenzen erzähle, antwortet  er mit weit aufgerissenen Augen und einem erstaunten Blick: „Ach, dabei schaust du ganz so aus wie ein normales Kind.“

Ja – man sollte öfter von seinem Recht zu Schweigen Gebrauch machen.

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