Seelenverwandt – gibt es so etwas wirklich?

Wir alle saßen mindestens schon einmal vor dem Fernseher, wenn in einer vor Herzschmerz und Romantik triefenden Schmonzette in den letzten Sekunden des Films der Protagonist neben einem anfahrenden Zug mitläuft, vergeblich nach seiner Herzensdame sucht und sie schließlich wild winkend hinter einer abgetönten Scheibe entdeckt. Sie schaut natürlich im richtigen Moment aus dem Fenster, erkennt den Wedelnden inmitten der Menschenmenge sofort. Kurzerhand vergisst sie all ihr Gepäck und ihre Habseligkeiten, schmeißt sich todesmutig aus dem Zug (vergessen wir dabei nicht, dass solche Bahnhöfe in Filmen scheinbar endlos sind, wo könnte man sonst minutenlang am Gleis entlanglaufen?) und wirft sich ihm theatralisch in die Arme. Warum das alles? Weil sie in dem anderen die eine richtige Person gefunden zu haben glauben,  ohne die das Leben nicht mehr lebenswert ist. Und dann drücken wir irgendwie gerührt, aber doch mehr frustriert auf den Aus-Knopf, weil das Leben in der Realität meistens eher sparsam mit solchen Momenten umgeht.

Es heißt ja, zu jedem Topf gibt es einen Deckel. Ich bin auch sicher, dass an dieser Binsenwahrheit absolut etwas dran ist. Aber über das Deckel-Niveau hinaus werden in Filmen auch gerne sogenannte Seelenverwandten bemüht, die Menschen, die einen scheinbar besser kennen und verstehen, als man es selbst tut. Die Menschen, die uns auf wundersame Art und Weise in den eigenen Gedanken, Wünschen, Interessen und Werten gleichen und uns doch paradoxerweise auch ergänzen. Die uns inspirieren und vollkommen machen, mit denen man einfach alles teilen möchte, die immer im richtigen Augenblick für einen da sind und genau wissen, was man braucht und dabei das Beste aus uns rausholen. Ist man sonst froh, wenn die bucklige Verwandtschaft einem nicht zu nahe kommt, ist es der Jackpot, diesen Verwandten in sein Leben zu lassen. Im Volksmund hat sich ja auch der Begriff der „besseren Hälfte“ etabliert. Das alles klingt schon nach einem unbezwingbaren Phänomen. Hinzu kommt die Tatsache, dass man unter knapp 8 Milliarden mehr oder weniger als „homo sapiens“-Varianten zu bezeichnenden Individuen zufällig über sein seelisches Spiegelbild stolpern soll, mutet schon nach mehr als nur einem Sechser im Lotto an.  Man muss wahrlich kein Genie in Wahrscheinlichkeitsrechnung sein, um sich hierbei die Chancen auszurechnen.

Schon im Alltag entscheiden beispielsweise bei einem Bewerbungsgespräch Sekunden über Sympathie oder Ablehnung. Unser Gehirn reagiert auf einfache Reize wie Optik, Stimme, Wortwahl, Körperhaltung etc. Und dann gibt es da noch die Intuition, das berühmte und vielzitierte Bauchgefühl, den Moment des „ersten Blicks“, die absolute Gewissheit innerhalb von Sekundenbruchteilen, dass da etwas zwischen zwei Menschen ist, das sich nicht mit Worten beschreiben lässt. Es ist nur ein Gefühl, aber es überrollt einen wie ein Tsunami. Man kann es nicht erklären, man versteht es nicht einmal, aber man weiß  es! Ob große Liebe oder Freund fürs Leben – was immer daraus wird, findet es heraus! Denn solltet ihr jemals so einen seltenen Moment erleben, dann seid euch bewusst, dass es wirklich passiert, dass ihr nicht in das Filmset von „Harry und Sally“ gebeamt worden seid, sondern hier eure eigene Realität gedreht wird. Erkennt so einen Moment, haltet ihn fest und macht das richtige daraus! Denn nun seid ihr der Regisseur und selbst für euer Glück verantwortlich.

 

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